Zum Vorwurf: Stehlen von Geschäftsideen
15. Januar 2008 von Jörg PüschelViele Existenzgründer befürchten mit der Einreichung ihrer Geschäftsidee bei einem Businessplan-Wettbewerb, dass ihre Idee “geklaut” werden könnte. Dieser Vorwurf taucht z.B. in einem Kommentar zu einem aktuellen Beitrag auf easn.de auf. Eigentlich sind diese Ängste nicht berechtigt; in den ca. 25 Jahren seitdem ich Existenzgründer berate und betreue, habe ich keinen konkreten Fall des “Ideenklaus” miterlebt. Auch in meinen zehn Jahren als Berater beim NUK-Businessplan-Wettbewerb nicht. Dennoch kann natürlich ein solcher Fall nie ausgeschlossen werden.
![]()
Erfindungen lassen sich durch Patente schützen, die Verwertung von geistigem Eigentum wie Musik und Bücher ist ohnehin gesetzlich geschützt. Der Schutz funktioniert, national und international, wenn – zugegebenermaßen – auch nur mit Einschränkungen. “Patentschriften verkommen in China zusehends zu Bauanleitungen für Produktpiraten – ausländische Firmen verstecken ihre Pläne deshalb lieber im Safe, statt sie rechtlich zu schützen.”
Schwieriger sieht der Schutz von Business-Ideen aus, insbesondere dann, wenn die Geschäftidee noch wenig ausgereift ist und sich deshalb nicht mit den gewerblichen Schutzrechten absichern lässt. Und wie erfolgreich die Adaption von Geschäftsideen sein kann, zeigen die Samwer-Brüder als die deutschen Vorzeige-Unternehmer mit ihren Gründungen “eBay Deutschland” und “StudiVZ” auf. (“Deutschland – das Land der Copy & Paste Innovationen”).
Muss deshalb jeder Existenzgründer Angst haben, dass seine Idee ebenfalls “geklaut” wird, wenn er sie zum ersten Mal anderen vorstellt, z.B. im Rahmen eines Businessplan-Wettbewerbs? Dies gilt sicherlich nicht für diejenigen, die in einer Nische als Wissenschaftler oder Angestellter tätig sind und im Rahmen ihrer Tätigkeit über einen langen Zeitraum ein Produkt oder Verfahren entwickelt haben, welches nun die Grundlage einer tragfähigen Geschäftsidee darstellen soll. Das Know-how und den zeitlichen Vorsprung werden Andere kaum einholen können und wollen. Hier ist die Gefahr des Ideenklaus eigentlich nicht gegeben.
Anders sieht es sicherlich dann aus, wenn allein das “Aussprechen” einer Idee schon jede Menge Nachahmer aufrufen könnte diese zu adaptieren, da die Idee einfach zu begreifen und leicht zu kopieren ist. Nur begibt sich der Gründer in diese Gefahr grundsätzlich immer, spätestens dann, wenn er erstmalig auf den Markt tritt. Und dies ist völlig unanhängig davon, ob er bei einem Businessplan-Wettbewerb teilgenommen hat oder nicht. Es ist unmöglich, eine Existenzgründung zu starten, ohne mit anderen über seine Geschäftsidee gesprochen zu haben.
Und schließlich gehört zur Umsetzung eines erfolgreichen Geschäftskonzepts deutlich mehr als die Idee allein. Erst der vollständige Businessplan mit einem ausgearbeiteten Marketingkonzept verspricht den Erfolg, die Idee steht nur am Anfang.
Gerade das Netzwerk eines Businessplan-Wettbewerbs bietet dem Gründer die Chance, im Rahmen der vielfältigen Weiterbildungsveranstaltungen mit Fachleuten wie Patent- oder Rechtsanwälten zu sprechen und frühzeitig Schutzmaßnahmen einzuleiten. Und mal unter uns: Die NUK-Experten, die direkt mit Gründern zusammenarbeiten, also die Coaches und Gutachter, sind allesamt Top-Leute, die sehr zufrieden mit ihren Jobs sein dürften. Motivation ihres Engagements bei NUK ist es sicher nicht, fremdes Gedankengut zu veruntreuen.
Möglicherweise wären auch diese “drei Freunde” hier besser unterstützt worden, hätten sie bei einem Businessplan-Wettbewerb Hilfe gesucht. (Foto: ©Martin Müller/Pixelio)
Tags: Businessplan, Businessplan-Wettbewerb, Geschäftsidee, Ideenklau, Patent

Am 16. Januar 2008 um 10:50 Uhr
Wie immer scheint das Thema Ideenklau oder Adapation recht fließend zu sein … das zeigt auch die Erfahrung bei anderen BPW-Wettbewerben, die mit ähnlichen Einwänden zu kämpfen haben.
Mit ist allerdings auch kein Fall bekannt, bei dem das “Plagiat” das Original des Wettbewerbs übertroffen hätte.
Am 16. Januar 2008 um 22:23 Uhr
Hallo Jörg, also dass mal ein Kommentar von mir Aufhänger für einen Blogartikel sein würd, hätte ich mir auch nicht träumen lassen ;-)
Mir ging es in meiner Anmerkung auf easn nicht darum, einen Vorwurf auszusprechen – sondern lediglich auf Risiken von Businessplanwettbewerben hinzuweisen.
Deiner Aussage, dass sich ein Existenzgründer ja ohnehin mitteilen muss und das Risiko so oder so besteht, kann ich nur teilweise zustimmen. Als Existenzgründer kann man sich sehr genug aussuchen, wem gegenüber man sich “öffnet” und wem nicht. Das Risiko ist somit steuerbar, und eine Sache des Grades, kein reines Entweder/Oder. Und so kann ich nur jedem Existenzgründer raten, sich auch Businessplanwettbewerbe vorher ganz genau anzuschauen, und nicht “blind” ein Ideenprofil durch die Gegend zu schicken.
Aber wie gesagt, mir geht es nicht um Pauschalverurteilung oder einen konkreten Vorwurf. Sicherlich haben auch schon sehr viele Gründer von Wettbewerben wie NUK stark profitiert.
Am 17. Januar 2008 um 18:21 Uhr
Hallo,
ich bin einer der NUK-Teilnehmer – und selbst schon seit zig Jahren in der IT-Branche recht kreativ unterwegs. Meine Haltung dazu ist: wenn Du eine Idee hast von der Du glaubst das sie sonst niemand schon hatte dann hast Du nicht gut genug recherchiert.
Davon mag es Ausnahmen geben, aber prinzipiell gibt es nur sehr wenig Themen über die sich wirklich sonst keiner Gedanken macht. Insbesondere wenn es um Ideen geht die aus dem Alltag heraus erzeugt werden…
Bahnbrechende wissenschaftlicher Forschung schliesse ich da mal aus, aber selbst da sieht man das die diversen Wissensdomänen von vielen gleichzeitig beackert werden.
Anders formuliert: man ist nicht der Einzige der die Idee hat, man ist vielleicht der Erste. Für kurze Zeit.
Ich denke es ist auch wichtig zu differenzieren zwischen Geschäftsidee und “Produkt”-Idee. Eine Geschäftsidee (“damit kann ich Business machen und zwar so…”) muss ja nicht wirklich originell im Sinne einer Erfindung sein, und kann trotzdem eine gute Idee sein. Vollkommen unoriginell am richtigen Platz, zur richtigen Zeit mit den richtigen Kontakte zu sein kann sehr lohnend sein…
Man hat mir selbst auch schon Geschäftsideen geklaut – ausserhalb eines Wettbewerbs, und dann auch noch von Partner. Hat nur nicht funktioniert, da neben der Idee auch noch Qualifikation, Kontakte und Fokus gefordert waren um erfolgreich zu sein. Das hat gefehlt… merke: mit der Idee klaut man auch die Herausforderung und das Risiko…
Viele Grüße,
Andrew Smart
Am 18. Januar 2008 um 16:50 Uhr
@Tobias:
Vielen Dank für Deine Mail und die Differenzierung Deiner ursprünglichen Aussage.
Dennoch bleibe ich dabei: Die Gefahr des “Ideenklaus” bei Businessplan-Wettbewerben ist vernachlässigbar gering. Und dies ist nicht deshalb so, weil es dort nur “hehre und integre Gutmenschen” gibt, die nie den Pfad der Tugend verlassen würden. Nein, dies liegt vielmehr daran, dass die Leute, die sich professionell mit Businessplänen beschäftigen, schlichtweg eine “Idee” nicht als so wichtig empfinden, wie meist der Gründer selbst.
Denn, wie schon gesagt, gehört zum wirtschaftlichen Erfolg erheblich mehr als ein erster Gedankenblitz. Die von mir genannten “Copy & Paste Ideen” der Samwer-Brüder hatten bereits in den USA beweisen können, dass sie sich als Geschäftsideen wirtschaftlich erfolgreich umsetzen lassen konnten und dies war die Grundlage dafür, es auch in Deutschland zu versuchen. Und trotzdem war der Weg zur Umsetzung hier bei uns vermutlich noch lange und steinig und es war nicht automatisch auch der Erfolg programmiert.
Im Übrigen habe ich in den 25 Jahren, in denen ich Existenzgründer beraten und begleitet habe, erfahren, dass meistens diejenigen, die die größten Probleme hatten über ihre Geschäftsidee zu sprechen und über diese zu diskutieren, letztlich nicht erfolgreich gegründet haben. Ich wage sogar die These: je geheimer, desto erfolgloser !
Jörg Püschel
Am 30. September 2008 um 03:25 Uhr
Ich bin davon überzeugt, dass das größere Problem ist, dass man eine Idee nicht umsetzt, nur weil man vor lauter Angst jemand könnte diese klauen einfach nicht vom Fleck kommt. Ich berate seit vielen Jahren Erfinder und deren Hauptsorge ist oft, dass ja niemand anders etwas mitverdient. Ja sogar Steruerschonende Modelle werden schon angedacht, da ist noch nicht mal ein Prototyp fertig. Mein Motto ist. Im Hintergrund alles vorbereiten, wo man niemand dazu benötigt, und sobald man raus geht: Vollgas! Die Konkurrenz kennen, aber sich nicht auf diese, sondern auf den eigenen Kunden konzentrieren.